© St. Marienkirche Göttingen
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Bibelpflanzengarten St. Marienkirche Göttingen

Kapuzinerkresse

(Tropaeolum majus)
Quelle: Hans @ pixabay.com
Kapuzinerkresse
Legende
Der deutsche Pflanzenname geht auf die Ähnlichkeit der Kapuze der Kapuziner-Kutte mit dem Sporn der Blüte zurück.
Die Kapuziner bilden neben Franziskanern und Minoriten den jüngsten Zweig der franziskanischen Orden, die alle auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurückgehen.
Mit den Franziskanern war einer der ersten Bettelorden der Kirchengeschichte gegründet worden, der 1209/1210 durch Papst Innozenz III anerkannt worden war.
Knapp 300 Jahre später stellten verschiedene Reformbestrebungen innerhalb des Ordens die Lebensführung der Mönche in Frage. Es konkurrierten kontroverse Ansichten zur pastoralen Arbeit in den Städten, die eine Verbürgerlichung des Lebens der Brüder mit sich gebracht hatte. So gab es zu Beginn des 16. Jahrhunderts einerseits Brüder, die in großen Stadtkonventen fest in pastorale Aufgaben konsequenter ein strengeres Leben der Armut und des Gebetes eingebunden waren (Konventualen), andererseits Brüder, die wieder ein weltabgewandteres Leben führen wollten. (Observanten).
1525 verließ der Observant Mateo de Bascio sein Kloster in der Mark Ancona ohne die Erlaubnis seiner Vorgesetzten, um nach dem Vorbild Franziskus’ arm durch die Welt zu ziehen. Sein Ordensoberer ließ ihn daraufhin festnehmen und einsperren.
De Bascio fand jedoch in der Herzogin von Camerino, Caterina Cybo, einer Nichte von Papst Clemens VII., eine Fürsprecherin und wurde daraufhin freigelassen.
Im Herbst des gleichen Jahres schlossen sich ihm zwei weitere Franziskaner an. Daraufhin versuchte der Provinzobere, Giovanni da Fano, die drei Brüder mit Waffengewalt zurückzuholen. Es gelang ihnen jedoch, sich zuerst in den Bergen in der Povinz Macerata, dann bei einem eremitisch lebenden Orden zu verstecken. Daraufhin wurden sie offiziell aus dem Franziskaner-Orden ausgeschlossen.
Auf erneute Fürsprache der Herzogin Caterina Cybo nahm der zuständige Bischof die Verfolgten in seine Obhut und gestattete ihnen, ihre Wanderpredigt fortzuführen.
Im Jahre 1527 wütete im Herzogtum Camerino erneut die Pest. Der furchtlose Einsatz der drei Brüder für die Sterbenden veranlasste Catharina Cybo 1528 vom Papst ein Schutzschreiben zu erwirken.
Wegen der Kapuze des Habits wurden die Reformer vom Volk Kapuziner genannt. Diese Bezeichnung wurde ab 1535 auch offiziell in päpstlichen Dokumenten verwendet. Der neuen Bewegung folgten bald Dutzende und Hunderte reformwilliger Brüder in ganz Italien. Im Jahr 1534 schloss sich ihnen auch jener Giovanni Pilz da Fano an, der die ersten Brüder als Provinzoberer mit Waffengewalt verfolgt hatte.
Die „Minderbrüder vom eremitischen Leben“, wie die Kapuziner vollständig hießen, legten besonderen Wert auf die Predigt und das Leben in kleinen Einsiedeleien, etwas abseits der Städte und Dörfer. Sie setzten sich anfänglich besonders in der Pflege der Pestkranken ein, wodurch sie schnell einen großen Rückhalt beim Volk gewannen.
Beim päpstlichen Hof fand der neue Zweig des Ordens tatkräftige Unterstützung und es begann ein rasches, unaufhörliches Wachstum, zunächst in Italien, dann nach 1574 in ganz Europa. Als Seelsorger und Missionare wurden sie treibende Kraft in der katholischen Gegenreformation im 16./17. Jahrhundert.
Zwei Säulen gehören zum Leben der Kapuzinerbrüder: die Kontemplation im Kloster und das Hinausgehen zu den Menschen. Dieser Grundsatz der „Vita mixta“, des gemischten Lebens, ist ein besonderer Wesenszug der Kapuziner.

Standort und Verbreitung
Die Kapuzinerkresse stammt aus Südamerika und wurde seit dem 16.Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Während sie in ihrer Heimat einen bis zu drei Meter hohen, mehrjährigen strauchartigen Wuchs zeigt, ist sie bei uns auf einen einjährigen Lebenszyklus beschränkt.

Verwendung
Die in Essig eingelegten Samen oder Blütenknospen können in der Küche als Kapern-Ersatz dienen.